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Eine "RANGLISTE" die jeder von uns durchlaufen hat.



Ankunft auf'm Bug

Ich kann mich noch genau an den Tag erinnern als uns der Bus von der Flottenschule aus Stralsund nach Dranske/Bug brachte. Das war der "Sprung ins kalte Wasser". Der Gang auf das Wohnschiff war sehr erlebnisreich. Überall gingen die "Bulleier" auf und uns flogen die Maßbänder um die Ohren. OK. Das muss wohl so sein, dachte ich.


Die Postkarte stammt aus den 80er Jahren, wurde von Uwe. P. zur Verfügung gestellt.


Irgendwann wurden wir den einzelnen Schnellbooten zugeteilt. Ich durfte auf das TS-Boot 832, Bruno Kühn als zweiter Ari-Waffenleit-Gast. Dann gings auf die Kammer auf dem Wohnschiff. Vorstellung des Neuen. War 'ne Klasse Erfahrung:" Eh Dachs los Knollen drehen"! Irgend so'n Spinner wollte dass ich Kartoffeln schälen soll - eine große Milchkanne voll. Der Spinner war so'n kleiner Knopp mit schwarzem Haar,abgemagert und sah aus als wolle er Werbung für BROT FÜR DIE WELT machen. Der Typ war mein "Erster". Ja, auch an diese Aktionen gewöhnten wir uns ganz schnell.


Der absolute Hammer kam ja noch als ich die Sanitäranlagen auf dem Wohnschiff sah. Türen vor den Toilettenboxen gab es nicht. Eine Klobrille: Was iss'n das? Das stand uns als Matrosen nicht zu. Man konnte sich quasi beim Toilettengang die Zeitung zureichen. Für diesen Zustand gab es sogar eine Dienstvorschrift. Das erschien mir am abartigsten auf einem Wohnschiff. Das alles sah sehr RUSSISCH aus.



Wenn an Bord der Arsch der höchste Punkt im Gelände war, dann machte man es glaube richtig. Das waren meine ersten positiven Erfahrungen des Bord(über)lebens. Und lege dich niemals mit dem dem Smut oder gar mit dem dicken BCH an. Der BCH hat immer Recht auch wenn man beim Seezielschießen daneben lag. Getroffen Genosse - eben im Zielsektor. Egal-Hauptsache die Statistik stimmt. Dieser strotzte gerade vor Karrieregeilheit seiner selbst. "Seine" Brigade war die Nr. 1 und was anderes gab es nicht. Das war schon ein toller Typ.


Peene Werft Wolgast


Blick mitten in die Wolgaster Werftanlagen 1984.


Ich hatte eigentlich Glück, da unserem Boot ein halbjähriger Werftaufenthalt in Wolgast bevorstand. An diese Zeit erinnere ich mich besonders gern. Werft im Sommer was will man mehr. Dort ging alles ziemlich locker zu.Das ganze Boot wurde durch uns vom alten Farbanstrich befreit mit Hilfe von Beize, Hämmern und Metallschabern. Die Bewaffnung, Maschinen eben alles kam runter vom Kahn.


Foto: Quartier in Wolgast 1984 mit Broiler (Grill-Hähnchen), Limo und 'ner Pulle "Surer Sluck" (Zitronenlikör)



In dieser Zeit hatte man die Möglichkeit zum Landgang sich auch mal etwas weiter vom Standort zu entfernen. Tja, Uniform war eigentlich nicht für uns der "Brüller". Zivilkleidung wäre schon besser gewesen, war für Matrosen aber nicht erlaubt. Ich habe mir die Zivilklamotten von zu Hause schicken lassen. Also musste irgendwie eine Lösung her: Bahnhof - Schließfach - Uniform rein - Zivil angezogen - nicht erwischen lassen - mit dem Zug nach Zinnowitz - FERTIG. Meistens sind wir in die Ostseebar gegangen, was sich auch schnell unter der gesamten Besatzung als die Nr. 1 herumsprach. Wir hatten dort alle 'ne Menge Spaß. Ja "Spaß" hatte auch unser Smut der arme Kerl. Der war Stammgast beim Hautarzt über den gesamten Werftaufenthalt. Genauere Erklärungen zum Thema erspare ich mir. Es wurde auch kaum Unterschiede gemacht ob man "Stein", "Schäkel", "Konter", "Vize", "E", oder "Resi" war. Werftleben war eben eine andere Liga.




Eingang vom Bahnhofsgebäude in Wolgast, den man noch in Uniform betrat. In der Bahnhofshalle befanden sich die Schließfächer mit unseren Zivilklamotten.


Auf "wundersame" Weise verwandelten sich nahezu alle Matrosen in diesem WC-Häuschen außerhalb der Bahnhofshalle in Zivilisten. Die Uniform verschwand im Schließfach. In umgekehrter Reihenfolge wurde man am nächsten Morgen wieder zum Marineangehörigen und betrat die Unterkünfte der Werft.     

*Aufnahmen: 2010


Die "Neuen" kamen

Das war schon ein komisches Gefühl als die Neuen an Bord zu uns kamen. Ich war nicht mehr der "Stein"- nein ich war jetzt "Schäkel" in der Hirarchie. Das bedeutete: Ich durfte auch mal zu einem anderen Dachs sagen. OK. Da kam ein Funkmesser aus Coswig bei Dresden und so'n großer dunkler Typ aus Gera als Mot-Gast. Das Thema Backschafter gestaltete sich jetzt angenehmer als vorher, da der neue Funkmesser mit einsprang. Das machte der so gut dass er später den Titel als "Ewiger Backschafter" erhielt. Ein netter Kerl - zu nett für die Marine. Der passte wegen seiner Naivität nicht so recht auf's Wasser.


Blick aus der Wolgaster Peene-Werft und V-Schiff auf der Peene 1984


Werftleben

Irgendwann an einem sonnigen Tag verlas unser "Alter" den Tagesbefehl: "Angesichts des schönen Wetters fahren wir heute alle nach Zinnowitz in ZIVIL" Der machte tatsächlich keinen Spaß und meinte dies ernst. War ein toller Tag am Strand und im "Erzhammer", einer sehr bekannten und immer gut besuchten Kneipe. Am nächsten Tag sollten wir unsere Zivilklamotten per Postpaket nach Hause schicken. Haben wir auch gemacht. In den Paketen befand sich belangloses Zeug wie Wäsche. Die Zivilsachen lagen ja schon wieder im Schließfach des Bahnhofs in Wolgast. Ich denke unsere Obrigkeit billigte diesen Umstand.



Ein "Hauch" von Weinbrand

Bei uns an Bord hatte jemand mal den wahnwitzigen Einfall einen größeren Posten Fusel an Bord zu bringen, da dies gerade dort in Wolgast recht einfach war. Das hat dann auch wirklich mal geklappt. Drei von uns kamen nachts mit Seesäcken voll mit über 60 Flaschen Weinbrand der Marke "Privat" angerückt. Wie die das Zeug rein gebracht haben weiß ich nicht mehr so genau. Unser E-Mix hatte den ganzen Kram bezahlt. An die folgenden Tage kann ich mich nur noch an Kopfschmerzen erinnern. Das Zeug war furchtbar. Ehemalige die in dieser Zeit auf der 832 waren werden sich bestimmt an diese Aktion erinnern. Wir hatten auf einmal ein Party-Schiff. Natürlich haben haben wir nicht nur gesoffen. Den Eindruck möchte ich nicht vermitteln. Der Dienst in der Werft ging schon seinen Gang bis eben auf einige Ausnahmen.


Russische Technik M503A. Einer von 3 Maschinen in einem TS-Boot.

Laut, schnell und sehr störanfällig.

Hilfsdiesel aus einem TS-Boot.

Sehlen - Das Nest

Während der Werftliegezeit war auch die unbeliebte Arbeit der Wartung von 2000 Schuss Munition (30 mm) angesagt. Dazu beorderte man ca. 4-5 Leute aus dem seemännischen Bereich und einen Offizier nach Sehlen auf Rügen zum "Mumpeln" putzen. Das war ein kleines Nest nahe der Stadt Bergen wo die Volksmarine ihre Munition warten ließ. Wartung von 30 mm Munition bedeutete eine Entfettung, Säuberung und Neufettung der Projektile und Gurtglieder. Kurz gesagt: Eine Arbeit die keiner von uns freiwillig machen wollte.


VKU

Für alle Laien was VKU bedeutet: Verlängerter Kurz Urlaub nannte man die Heimfahrt von Freitag bis Dienstag zum Dienstbeginn. Nach Ermessen des "Alten" konnte man evtl. auch schon am Donnerstag nach Dienstschluss in den VKU gehen. In Wolgast klappte das meistens auch so, da die Führung manchmal auch Donnerstag gegen 18:00 Uhr nach Hause fuhr. Mit dem Urlaubsschein in der Tasche der zwar erst für Freitags gültig war, konnte man unter Umständen schon am Donnerstag die Fliege machen. Abends über die Mauer geklettert und ab zum Bahnhof - Zivilklamotten angezogen - nicht von der Streife erwischen lassen - und ab nach Hause. Das haben wir sehr erfolgreich durchgezogen.


Alles hat ein Ende

Es kam die Zeit um der Werft in Wolgast das Good Bye zu sagen. War für uns alle eine super Zeit gewesen. Nach einem halben Jahr war die Zeit rum, der Kahn auf neuen Stand gebracht und es ging über Peenemünde zurück zum Bug. Es war der Stolz eines jeden Kommandanten sein Boot als das Beste der Brigade darzustellen. Die Geschwindigkeit des Bootes war ein mehr als wichtiger Punkt. Ganz klar. Da fand ein Wettlauf außer der Wertung statt. Jeder wollte der Beste sein. Ich denke mal dass so Prioritäten innerhalb der Brigade gesetzt worden sind. Es kam das Übliche. Probefahrten, Nachbesserungen und der ganze Kram waren wieder angesagt.



Das waren meine eingetragenen Berechtigungen. Eben der "TÜV" bei der Marine. ALLES EINGETRAGEN.

EK-Bewegung

Die gab es damals bei uns in der III. Brigade und auch beim Rest in der Basis. Da wurden und werden heute noch die tollsten Sachen berichtet. Objektiv stimmt davon vielleicht nur die Hälfte. Ich habe bei uns persönlich nie das Spielchen "Schildkröte" oder "Staubsauger" erlebt. Klar das "Anbaden" (Man fliegt im Februar/März ganz zufällig mal über die Reeling) habe ich auch gesehen. Das ist eine saukalte Erfahrung. Mich hat es zum Glück nicht erwischt. Andere hatten da Pech gehabt. Dass man für den "Resi" das Frühstück zur Koje bringt ist 'ne harmlose Sache. Es gab damals Leute die nicht viel in der Birne hatten und heute ist es nicht anders.


Zeit der Entlassungen

Ein kleiner Schwenk zurück nachdem wir aus der Werft kamen. Es standen mal wieder Entlassungen an. Ja tolle Sache, eben nur nicht für mich. Genau genommen war ich jetzt ein Jahr bei der Marine. Die Alten gingen. Die Neuen kamen. Hier an Bord gab es in der Entlassungszeit ein paar beliebte Spielchen. Fast jeder versuchte den "Hinterbliebenen" noch einen Gruß zu übermitteln. "Ihr werdet noch an mich denken" Diese Sprüche hörten wir oft. Da wurden beutelweise Lochbandabfälle oder auch mal ein paar faule Eier in das Lüftungsystem der Schnellboote gekippt. Zu einem späteren Zeitpunkt stank es dann bestialisch im Deck. In der Beziehung hatten die Resis immer einen guten Einfall auf Lager. ICH ABER AUCH! Wir hatten einen Torpedelli aus Grimma an Bord der mir ständig auf den Zeiger ging. Schon vor Wochen brachte ich Graphitpulver von zu Hause mit. Am Tag seiner Entlassung bekam er von mir einen extra Gruß mit nach Hause. Das Zeug rein in die Socken. Das wars! Ich denke die Wirkung wurde nicht verfehlt.


Weihnachten an Bord

War für mich persönlich nicht das Problem. Einige von uns kamen etwas schwerer damit klar. Die Feiertage unterschieden sich kaum vom Dienstalltag. Einige werden wieder sagen: "Aber gesoffen haben wir mehr" Was soll ich dazu sagen? JA! Hinzu kam bei uns noch, dass wir einen anderen Kommandanten bekamen. Der war ganz anders als unser Vorgänger und hatte eine Ader von Verständnis und keine Spur von Dienstgeilheit. Das spiegelte sich am Heiligen Abend wieder. Unsere Obrigkeit hatte irgendwie Kontakt mit unseren Familienangehörigen aufgenommen, wegen eines speziellen Musikwunsches zum Fest für jedes Besatzungsmitglied. Da wurden dann die Weihnachtsgrüße der Angehörigen verlesen und auch der entsprechende Titel per RFT-Kassettenrecorder abgespielt. Das zog eben unser neuer "Alter" durch. Abschließend möchte ich noch an diesen Kommandanten S. erinnern, der leider verstorben ist. Es war einer von uns und nicht einer von denen die nur an Karriere und persönlichen Vorteil dachten.


Ausbildung: Feinderkennung

Abb. Deckblatt der  kompletten und mehrseitigen Unterlagen der "Feinderkennung" von 1982. Diese wurden bei der Ausbildung weit in die 80er Jahre verwendet.



Auszug aus den Unterlagen der Flugerkennung.

 

Auszug aus der Schiffserkennung. Das komplette Heft von der Ausbildung als Souvenir. 



Politunterricht an Bord

Das wurde immer in gewissen Intervallen angeordnet. An zwei zusammenhängenden Tagen gab man uns an Bord die sozialistische Richtung vor. Die beiden Tage waren nervig aber auch geruhsam. Man sollte da gut zuhören. Ich bin da immer eingepennt. Allen voran unsere Genossen die durch ihre Parteizugehörigkeit und manche auch mit Inkompetenz glänzten. Mit entsprechender Literatur, roter Idiologie und Idiotie sollte uns das westliche Feindbild verklickert werden. Manchmal war dass richtig interessant was da für'n Müll gelabert wurde. Ob da überhaupt jemand dran geglaubt hat? Ich kann mir beim besten Willen nicht vorstellen, wie ein Politoffizier seiner verkappten Existenz vor sich selbst glaubhaft wurde.


Passend zu diesem Thema existiert im gut sortiertem Buchhandel dieses Werk. Leider wurde dieses Buch nicht neu aufgelegt und ist nur als gebrauchtes Exemplar erhältlich. Ein Muss für Leute die damals eine solche Funktion hatten und heute den "Schlauen" raus hängen lassen und noch stolz darauf sind.
 

Ja stolz! Auf was eigentlich?















Tod eines Besatzungsmitgliedes

Damals für mich persönlich vielleicht das bewegenste Erlebnis. Es kann jeden von uns treffen. Egal wann und wo. Anfang 1985 verstarb unser E-Mix Frank B. nach einer Erkrankung. Nach seinen Angaben klagte er ständig über Koppfschmerzen und Sehstörungen. Ich habe seine Worte heute noch im Ohr. "Ich sehe nichts mehr". Eines Tages knallter er mit voller Wucht gegen das Schott vom Maschinenraum weil er es einfach nicht sah. Sein Leiden wurde viel zu spät erkannt und ernst genommen. Nach Bekanntwerden seiner Krankheit hatte er gerade mal eine knappe Woche zu leben. Insider wissen genau was damals abgelaufen ist...Der wurde einfach als Simulant hingestellt. Da platzt mir heute der Kragen vor Wut, weil  einer von uns regelrecht verheizt wurde. Heute redet kein Mensch mehr davon. Schade! Dieses Erlebnis werde ich nie vergessen. Große Klasse von DEM GENOSSEN mit Führungs-Eigenschaften der damals dafür verantwortlich war!


Die "Firma" war allgegenwärtig

Das war und ist natürlich ein heisses Thema. Dass die damaligen Machthaber oder besser Regime einen nahezu perfekten Überwachungsstaat geschaffen hatten, ist kein Geheimnis. Dessen Handlanger hatten wir auch bei uns in der Brigade und ebenso an Bord. Ich hatte nach der Wende den Antrag auf Einsicht in meine evtl. möglichen existierenden Stasi-Akten gestellt. Ja, über mich wurden Berichte angelegt. Liebe Leser: Es war der Hammer was da drin stand. Ich werde hier nicht auf Einzelheiten aus rechtlichen Gründen eingehen. Es ist mehr als traurig wer und wie daran gearbeitet wurde. Da wurde ich eben mal als Republikflüchtling geführt. Das ist beispielsweise noch harmlos zu den anderen Dingen aus meiner Akte. Ist schon toll wie sich ein Puzzle zusammen fügt. Bis heute kann ich nicht verstehen wie manche "Kameraden" andere Besatzungsmitglieder denunziert haben. Heute sollen all diese Dinge vergessen sein? Nein!!! Das darf nicht in Vergessenheit geraten. Die Betroffenen sollten sollten heute mal in den Spiegel schauen. Für mich steht so was für Verrat an den eigenen Leuten an Bord mit einer fetten Portion Feigheit.

Zum Theme Bespitzelung durch die Staatssicherheit habe ich eine externe Seite eingerichtet. Informationen findet man links in der Navigation unter Stasi Akteneinsicht.


"Panikwürfel"

Ja was könnte das wohl sein? Für alle Laien: Der "Panikwürfel" ist ein Leckwerkabinett, wo mögliche Wassereinbrüche in einem Schiff/Boot an Land unter realistischen Bedingungen simuliert wurden. Am Rande unserer Hafenanlage stand jener beschriebener Aufbau. Das Ding bestand aus Stahlwänden, welches mit Wasser geflutet werden konnte. Die Schwierigkeit bestand darin, dass keiner von uns wusste woher das Wasser kam. Es gab da verschiedene Möglichkeiten eines Wassereinbruchs, die durch ent-sprechende Leckwermaterialien bekämpft wurden. Varianten: spinnenförmige Risse, mehrere Durchschüsse, aufgerissene Schiffswand oder der Spass kam ganz von unten. Unser Funkmesser Matthias M. bekam in diesen Situationen immer Panik wenn das Wasser höher stieg. "Wir saufen alle ab"! Das war für einige von uns Wasser auf die Mühle. Da wurde schon ein paar Tage im Vorfeld gewitzelt. Das kam bei dem immer "gut" an. Es ist keiner von uns zu Schaden gekommen. Was mich immer persönlich störte war die dreckige Hafenbrühe die zu den Übungen in den Raum gepumpt wurde. 


Frühsport auf dem Bug

Das beinhaltete einen morgentlichen Lauf kurz nach der Nachtruhe. Kurz bedeutete damals: Aufstehen - Trainingsanzug anziehen - Pissen über die Reeling ins Hafenbecken - und nach ca. 3 Minuten Abmarsch zum Dauerlauf (Hin/Zurück) zur Poststelle. Ich glaube die Strecke betrug 3000 Meter. Das klingt heute ziemlich durchgeknallt war aber so. Wenn man EK (Entlassungskandidat) war fiel natürlich der Frühsport aus. Entweder blieb der EK in der Koje liegen und ließ den "Oberlolli" wegtreten oder er lief nur bis zur nächsten Ecke (Trafohaus) um seine wohlverdiente Zigarettenpause nach der schweren Nacht zu genießen. Die "Dachse" rannten bis zur Post, brachten die Briefe weg und liefen zurück an Bord. In der Zwischenzeit waren auch die EK's zurück. Danach ging es zum Duschen, Früstück backen/banken (glaube ich)


Wochenende an Bord

Wochenende war nicht gleich Wochenende! Da gab es schon Unterschiede. Wenn man dienstfrei und schon etwa 2 Jahre hinter sich hatte, konnte man von Wochenende reden. Ansonsten wurde diese Zeit mit dem Wachplan oder einem Dienstplan "versüßt". Ich hatte das Glück wenn man so will nach anderthalb Jahren den DDS (Diensthabener des Schiffes) zu machen. Das war wirklich Glück, denn da entfiel der Wachdienst auf der Pier und die unsinnige Bereitschaftszeit in einem verqualmten Wachraum. Für alle Laien: 2 Stunden Wache auf der Pier - 2 Stunden Schlaf - 2 Stunden Bereitschaft (lesen, Briefe schreiben, sinnlose Kontrollen durch frustrierte Existenzen) - 2 Stunden Wache auf der Pier... Offiziell sollte auch der DDS diesen Bereitschaftsdienst von 2 Stunden einhalten. Petschaften, Siegel an Geschützen, Munitionskammer (Geschütz) etc. mussten nachts kontrolliert werden. Nein haben wir nicht gemacht! Wir haben gepennt und zwar alle die DDS waren. Eigentlich wurden diese Kontrollgänge in einem Buch aller 2 Stunden dokumentiert. Nicht bei uns, denn dass Buch wurde jede Nacht vorgeschrieben, damit man statt 2 Stunden 4 Stunden schlafen konnte. Das war der Vorteil eines DDS.


Tag der NVA auf dem Bug

Das ist für mich natürlich ein besonderes Thema oder anders gesagt war dies für alle Beteiligten eine nette Abwechslung. Der Tag der NVA war der 1. März und wurde auch entsprechend gefeiert. Das Grundanliegen der damaligen Machthaber war, einen Einblick des Soldatenalltages für Zivilisten zu gewähren. Selbstverständlich sollten wir und unser Umfeld für jene Besucher nur vom Besten präsentiert werden. Ganz klar, alles wurde nicht gezeigt. Bestimmte Dinge waren für die Öffentlichkeit nicht zugänglich. Egal! Es kamen Schulklassen, Abordnungen von Betrieben und manche Freundin oder auch Verwandte. Da wurde viel erklärt und auf die Fragen der Besucher eingegangen. Jugendlichen sollte der Dienst bei der Marine schmackhaft gemacht werden. Da gab es Sportschießen mit Luftgewehren inklusive kleinen Preisen und solche Sachen. Auch an Schlauchbootrennen kann ich mich noch gut erinnern. Unser BCH (Brigadechef) gab sich die Ehre jedem Matrosen an diesem Tag eine (oder zwei) Pullen Bier zu genehmigen. Seine "Hoheit" sprang da über seinen eigenen Schatten und kam sich mächtig spendabel vor. Ich fand's einfach lächerlich wie man versuchte Jugendliche zu manipulieren. Die hatten ebenso wenig Bock drauf wie wir. Die mussten uns besuchen und wir haben uns zum Affen gemacht. 


Beitrag von Uwe Paul

06:00 Uhr                               Wecken der Mannschaften und fertig machen zum Frühsport   

06:03 Uhr bis 06:05 Uhr           über die Reeling pissen

06: 05Uhr bis 06:25 Uhr           Frühsport (außer Backschafter und Diensthabende) 

06:25 Uhr bis 06:50 Uhr           Körperpflege

06:50 Uhr bis 07:10 Uhr           Backen und Banken - EK`s und Vize`s mit Porzellan-Tellern inkl. Stahl-Besteck / der Rest mit Plaste-Tellern u. Alu-Besteck

07:10 Uhr bis 07:55 Uhr           Reinschiff

07:55 Uhr bis 08:10 Uhr           Flaggenparade auf der Back (mit Tagesbefehl-Bekanntgabe)

08:10 Uhr bis 11:45 Uhr           Dienst nach Plan

11:45 Uhr bis 12:00 Uhr           Station aufklaren, fertig zum Backen und Banken

12:00 Uhr bis 13:00 Uhr           Backen und Banken, kurze Ruhezeit

13:00 Uhr bis 16:30 Uhr           Dienst nach Plan

16:30 Uhr bis 17:00 Uhr           Station aufklaren, Diensthabende fertig machen für Dienstübergabe/Übernahme

17:00 Uhr bis 17:30 Uhr           Abendmusterung (nieder Flagge) Vergatterung der neuen Wachen und Diensthabenden

17:30 Uhr bis 18:00 Uhr           Backen und Banken

18:00 Uhr bis 21:00 Uhr           Freizeit inkl. Knollendrehen (Kartoffeln schälen)

21:00 Uhr bis 21:30 Uhr           Reinschiff und Aufklaren der Decks

21:30 Uhr bis 21:45 Uhr           Körperpflege, fertig machen für Nachtruhe

21:45 Uhr bis 22:00 Uhr           Ronde durch Diensthabenden

22:00 Uhr bis 06:00 Uhr           Nachtruhe, Ruhe im Schiff, Licht aus

 

 Bei Vergatterung eines 24-Stunden-Dienstes

 wurde das seemännische Personal im 3-Stunden-Takt als Pier-Wache abgelöst

3 Stunden Pier-Wache

3 Stunden Bereitschaft bzw. ruhen

3 Stunden schlafen

 
technisches Personal musste:

18:00 Uhr,

22:00 Uhr,

02:00 Uhr und 06:00 Uhr eine Ronde machen




eMail von Uwe K. aus Dresden zum Thema EK-Bewegung, der seine Borderfahrungen ebenfalls auf einem TS-Boot gemacht hat. *Namen der betreffenden Personen wurden geändert.
Genauso war es nach dem Frühsport.
Waschen, anziehen und zum Frühstück. 
Denkste ! 
Assi komm mal ins Sechsmanndeck !
Hol ( nicht mal Bitte ) uns das Frühstück !! ( das war aber ganz normal zu dieser Zeit  wir waren ja auf dem Schnellboot stationiert , brachte mir natürlich auch ein gewissen Vorteil ein gegen über anderen Sprutzen. Hatte wohl auch bei den EKs ein gewisses väterliches Gefühl.

Ich muss natürlich auch dazu sagen, dass ich als Schießer ein schweren Stand auf dem Boot hatte. Der erste Ari -Gast ( namens Bange* aus Dresden ) hat es mir sehr schwer gemacht. Das haben auch die Vietze und EKs bemerkt, denn zu dieser Zeit war auch mein Vorgänger nur Konter und wollte seine Vormachtsstellung ausnutzen.
Viele Besatzungsmitglieder bekamen mit, nach den ersten Seetörn ( auch Schießen )
das der erste Ari den zweiten Ari alles machen ließ ( AK 230 vorn und hinten ) obwohl laut Satzung die vordere Waffe den Ersten und die hintere den Zweiten zur Wartung zugeteilt gewesen sind.
Da ein Konter ( namens Hisel*) gab, der genauso Konter war, und ich zu ihm ein gutes Verhältnis hatte schütze er mich vor diesen. Denn Hisel* bekam mit, dass Bange* mich für seine Zwecke ausnützte ( dies bemerkte auch der 2.WO Ritzlaw*,
welcher dann auch zu mir hielt und nicht zu seinen 1. Schießer ).
Ich muss dazu sagen, dass Hisel* auch schon als Konter die EKs angegriffen hat.
Als es einmal zum Frühsport ging und der Signäler (EK) die Tür zuschlug und nicht zum Frühsport wollte, und Hisel* sich plötzlich in seiner Ehre verletzt fühlte, griff er auch ein EK in der Koje an und sagte, " Komm du fettes Schwein raus "

* Namen geändert